Das Leben nach der Herzneurose

| 1. Oktober 2012 | 0 Comments

Die Sonne scheint. Es sind knapp 30 Grad. Ein leichter Wind weht. Ich sitze am Strand. Wo? Auf Barbados. Das wäre vor 3 Jahren für mich undenkbar gewesen. Warum? Kurze Antwort: meine Herzneurose. Meine Herzneurose hatte mich komplett im Griff. Flugreisen war das Schlimmste. Ich hatte Angst, dass meinem Herzen im Flugzeug etwas passieren könnte und immer dann, wenn ich beruflich fliegen musste, stellte sich spätestens eine Woche vorher ein Schwächegefühl und Kreislaufbeschwerden ein, auch wenn ich mir noch gar nicht bewußt Sorgen gemacht habe. Dann rückte Flug näher und obwohl ich bereits wußte, dass sich meine Gedanken immer weiter verwirbeln würden und ich meine eigene Panikattacke geistig „vorplanen“ würde. Ich konnte nicht aussteigen. Bis zum Tag des Fluges wurde die Anspannung immer schlimmer. Tatsächlich wurde es manchmal so schlimm, d.h. mir ging es subjektiv so schlecht, dass ich gar nicht erst eingestiegen bin. Wahre Dramen haben sich abgespielt.

Heute ist (fast) alles anders. Ich steige in ein Flugzeug und ganz oft fühle ich mich oben in der Luft weniger gestresst als im Büro mit allen E-Mails und Anrufen. Natürlich kann ich mich noch an die Situationen erinnern, die sich früher abgespielt haben. Auch schleicht sich nochmal ein Gedanke ein „Was wäre, wenn…“. Aber der verabschiedet sich mittlerweile genauso schnell, wie der Gedanke „Wird das Wetter morgen schön?“. Der Gedanke kommt und er geht auch wieder. Keine Verwicklungen mehr, kein Adrenalinanstieg, keine körperlichen und psychischen Angstsymptome. Mein Leben ist zurück, mit allen Höhe und Tiefen. Aber ich bin erheblich beweglicher geworden. Ich kann z.B. in die Karibik fliegen, was ich mir früher nie vorstellen konnte. In meinem Kopf ist es viel ruhiger geworden.

Warum ich das schreibe? Weil es tatsächlich ein Leben nach der Herzneurose gibt und um allen, die von Herzneurose betroffen sind, zu zeigen, dass man sie auch wieder loswerden kann. Ein weiterer Grund liegt jedoch darin, eine Fokusveränderung anzustossen. Wenn man mitten in einer Herzneurose steckt, gegebenenfalls mit Panikattacken, die das Leben auf den Kopf stellen und massiv einschränken können, beschäftigt man sich hauptsächlich mit den körperlichen Symptomen und den Angstszenarien. Hat man jedoch erst einmal erkannt, dass man eine Herzeurose hat, findet eine erste Fokusverschiebung statt. Zwar ist man noch lange nicht geheilt, denn die Angst ist immer noch da. Aber ein Teil der Gedanken beschäftigt sich bereits mit der Möglichkeit, dass das, was man fühlt, tatsächlich keine körperliche, sondern eine psychische Erkrankung ist. Man beschäftigt sich also mit dem Thema „Herzneurose“. Von diesem Level sollte es jedoch weitergehen. Die nächste Fokusverschiebung sollte sich auf ein Leben ohne die Herzneurose richten. Nehmen Sie sich doch mal eine halbe Stunde Zeit und denken Sie darüber nach, was Sie gerne einmal erleben würden, wo Sie gerne einmal hinfahren würden. Machen Sie sich eine Liste und stellen Sie sich vor, dass Sie (wieder) in der Lage sind, diesen Aktivitäten nachzugehen. Machen Sie sich eine Top 3 und schauen Sie sich Fotos oder Videos dieser Aktivitäten, z.B. im Internet, an. Wiederholen Sie diese Fokussierungsübung einmal pro Tag. Die Übung wird Sie nicht unmittelbar von der Herzneurose heilen, trägt aber dazu bei, dass Ihr Verstand auch mal wieder ein paar andere Themen bekommt und „programmiert“ Sie für die Zukunft, in der Sie hoffentlich allen Ihren gewünschten Aktivitäten wieder nachgehen können.

Früher unvorstellbar: lange Flugreise mit Herzneurose

Fernreisen sind wieder möglich, die Herzphobie ist verschwunden.

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