Angst vor der Herzmuskelentzündung

| 25. Oktober 2012 | 0 Comments

Leider kennen sich diejenigen, die eine Herzneurose haben, meistens (scheinbar) gut aus mit den vielen Herzerkrankungen, die man theoretisch bekommen kann, was auch für die Herzmuskelentzündung gilt. Abgesehen von angeborenen Herzerkrankungen oder solchen, die im Laufe des Alters entstehen können (und vielfach auf eine ungesunde Lebensweise zurückzuführen sind), gibt es auch einige Herzprobleme, die während des ganzen Lebens auftreten können, ohne dass man diese durch Rauchen oder Übergewicht etc. verursacht hat. Hierzu gehört auch die Herzmuskelentzündung, die nach einer nicht auskurierten Virus- oder bakteriellen Erkrankung theoretisch (und in wenigen Fällen!) auftreten kann. Natürlich wissen auch Herzneurotiker, wenn sie die Angelegenheit nüchtern betrachten, dass nicht jeder, der eine Erkältung nicht richtig auskuriert, eine Herzmuskelentzündung bekommt. Im Gegenteil: die Berichte von Hochleistungssportlern, die Herzprobleme bekamen, weil sie trotz einer Erkrankung weiterhin Sport getrieben haben, sind lediglich Einzelfälle. Aber die Angst, dass es einen doch treffen könnte, ist häufig größer, als die verstandsmäßige Analyse.

Beispiel eines Betroffenen, der Angst hat, eine Herzmuskelentzündung bekommen zu haben:

Ein Beispiel von einem Betroffenen: Tim F. (35) leidet seit vielen Jahren unter einer Herzneurose. Phasen in denen er unbeschwingt damit leben kann wechseln sich mit Phasen starker Fokussierung auf das Herz und entsprechender Wahrnehmung von (teilweise scheinbaren, teilweise echten) Herz- und Kreislaufsymptomen ab. Tim F. hat sich vor einem halben Jahr erneut beim Kardiologen untersuchen lassen: es war alles in Ordnung, kein Befund. Nunmehr ist Tim F. im September zu einem Wanderurlaub mit Freunden nach Österreich aufgebrochen. Es ist tatsächlich sein erster richtiger Wanderurlaub. Da er sich aber in den letzten Wochen regelmäßig sportlich betätigt hat, hat er sich auf das „Wanderabenteuer“ eingelassen. Einige Tage vor Reiseantritt bemerkt er ein Kratzen in seinem Hals. Er war vorher mit vielen Menschen zusammen gewesen und hatte sich offenbar eine Erkältung geholt. Für die meisten Menschen, die keine Herzneurose haben, wäre dies sicherlich kein Grund sich Sorgen zu machen. Tim F. macht sich jedoch erhebliche Sorgen. Zunächst versucht er die Erkältung mit allen Mitteln wegzubekommen, was ihm leider nicht gelingt. Als die erste Wanderung ansteht, schmerzt der Hals und er hat ein bischen Husten. Fieber oder erhöhte Temperatur hat er nicht. Zweifelsohne lediglich eine leichte Erkältung. Tim F. grübelt:  Soll er die Wanderung mitmachen, oder ist das zu gefährlich für das Herz“ Seine Freunde (die von der Herzneurose nichts wissen) haben aber schon alles gepackt und wollen los zur ersten Wanderung, die allerdings lediglich3 Stunden dauern soll. Tim F. faßt sich „ein Herz“ und wandert mit. Teilweise geht es wirklich steil nach oben und Tim F. spürt sein Herz klopfen, bis zum Hals. Seine Kondition ist offenbar doch nicht die Beste, denkt er.  Es geht immer höher. Angst gesellt sich dazu. Ob mein Herz das schafft? Tim F. versucht sich zu beruhigen, was im streckenweise auch gelingt. Nachdem man wieder unten im Tal angelangt ist, ist Tim F. sogar etwas stolz auf seine Leistung und sein Durchhalten. Doch dann verschlechtert sich seine Erkältung in der kommenden Nacht. Der Husten wird stärker.

Gut, jetzt könnte man sagen: was soll`s, dann muß man eben den Husten wieder los werden und alles ist gut. Doch Tim F. macht sich ganz andere Sorgen:  Möglicherweise habe ich mich überanstrengt. Vielleicht ist der Virus jetzt auf den Herzmuskel übergegangen. Wahrscheinlich fühle ich mich deswegen so schwach. Die nächsten Tage wandert Tim F. nicht mehr mit. Nach außen, für seine Freunde, „kuriert“ er seine Erkältung aus. Innen macht er sich jedoch vor allem Sorgen um sein Herz. Das geht soweit, dass er am Ende der Woche noch nicht mal mehr einen kleinen Spaziergang rund um das Hotel schafft. Er fühlt sich zu schwach, denkt er hätte Symptome einer Herzmuskelentzündung.

Soviel zu Tim F., ein typischer Fall eines Herzneurotikers, der seine Herzneurose leider noch nicht vollständig losgeworden ist. Was kann man Tim. F. empfehlen:  Aus der Sicht des Herzneurotikers ist es wichtig, Ablenkung zu finden und den Teufelskreis der immer stärker werdenden Fixierung auf das Herz und die Körpergefühle möglichst frühzeitig zu unterbrechen. Keinesfalls sollte man anfangen, zu googeln (siehe hierzu unser Artikel zur Cyberchondrie). Sofern noch nicht geschehen, sollten alle

Die Symptome der Herzneurose/Herzphobie sind sowohl psychisch als auch körperlich

Herzneurose und Herzängste haben häufig massive Auswirkungen auf das Lebensgefühl

diejenigen, die ähnliche Muster wie Tim F. bei sich erkennen, natürlich auch mit einer Verhaltenstherapie beginnen. Darüber hinaus gibt es auch noch viele andere Methoden, besser mit Herzneurose umzugehen und sich langfristig von ihr zu lösen. Entsprechende Hinweise finden sich auch in den anderen Artikeln auf unserer Seite. Wenn alle Bemühungen nicht helfen, bleibt nur der Weg zum Arzt, der das Herz entsprechend untersucht und damit dem Herzneurotiker zumindest kurzfristig wieder Sicherheit gibt. Wichtig ist allerdings: ein Besuch nach einem entsprechenden Ereignis (wie der scheinbaren Überlastung des Herzens während einer Erkältung) reicht! Stoppen Sie die Gedanken, immer wieder einen Arzt zu benötigen und vertrauen Sie der Einschätzung Ihres Arztes.  Beschäftigen Sie sich lieber mit Ihrer Therapie und anderen Methoden der Distanzierung vom inneren Gedankenwirbel.

Die Bezugspersonen des Herzneurotikers sollten vor allem eines tun: Nicht auf die Sorgen des Herzneurotikers eingehen. Nicht über Symptome und Wahrscheinlichkeiten diskutieren. Es empfiehlt sich, in liebevoller Weise das Thema zu wechseln und den Herzneurotiker dabei unterstützen, Ablenkung zu finden.

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