Herzneurose und Panikattacken – der Zusammenhang aus der Sicht eines Betroffenen

| 19. April 2012 | 14 Comments
Hypochonder und Cyberchonder haben es schwer mit den vielen Informationen im Internet

Das Internet hat die Zahl der hypochondrisch veranlagten Menschen erheblich erhöht

Wie wir schon im Artikel über Panikattacken und Herzneurose gesehen haben, treten bei der Herzneurose meistens auch Panikattacken auf. Wir wollen diesen Zusammenhang heute am Beispiel eines Berichts eines Betroffenen, der anonym bleiben möchte, nochmals darstellen. Wir vermuten, dass sich viele unsere Leser in dem Bericht wiederfinden werden:

„Bei mir hat die Herzneurose als Jugendlicher angefangen. Ich hatte auf einmal Herzstolpern und ich dachte: „Da stimmt etwas nicht“. Ich habe die Gedanken immer wieder gehabt, wollte aber nicht zum Arzt gehen: „Was soll ein Arzt schon machen. Außerdem: wenn ich wirklich herzkrank bin, dann ist das so schrecklich, dass ich es gar nicht wissen will.“ So schleppte ich mich durch die nächsten Wochen und nahm aus dem Schrank meiner Eltern „Doppelherz“ zur „Stärkung des Herzens“. Aber die Herzstolperer kamen immer wieder. Damals hatte ich noch keinerlei Ahnung, dass dieses Herzstolpern ganz unterschiedliche – auch psychische – Hintergründe haben kann. Das einzige was mir aufgefallen war, war der Zusammenhang mit einigen Parties mit viel Alkohol. Ich war nach einer Woche mit drei Parties ziemlich kaputt und dann trat auch zum ersten Mal das Herzstolpern auf. Irgendwann war es dann soweit: ich kam gerade von der Schule mit dem Fahrrad und als ich abstieg, fing mein Herz an zu rasen. Es schlug gefühlt doppelt so schnell wie beim Trampeln auf dem Fahrrad. Ich bekam Panik. Und das war schon die erste aber entscheidende Fehlinterpretation meines Verstandes. Ich bekam Herzrasen und dann kam die Angst. Tatsächlich war das Einsetzen des Herzrasens selbst bereits eine Angstreaktion und  damit meine erste Panikattacke. Ich ging dann zum Arzt, der sagte, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Ich hätte eben ein paar Herzrhythmusstörungen. Dies hat mich natürlich nicht wirklich beruhigt. Der Arzt machte auch ein Blutbild und stellte einen Magnesiummangel fest, vermutlich vom Alkoholkonsum der letzten Wochen. Ich solle Magnesium nehmen und dadurch werde es schon wieder besser. Gleichzeitig machte er einen Termin beim Kardiologen, der allerdings erst nach zwei Wochen für mich Zeit hatte. Meine Gedanken kreisten immer wieder um das Herz und das Erlebnis des ersten furchtbaren Herzrasens. Wenige Tage nach der ersten Panikattacke kam dann schon die Nächste. Ich war gerade auf dem Weg in die Stadt, um etwas einzukaufen. Ich fühlte mich auf einmal ganz schwach, dachte es wäre das Herz. Dann haute sie mich um die Panik. Mein Herz raste, meine Beine wurden weich und ich rettete mich wieder nach Hause. Doch das war erst der Anfang. Erschrocken über mein zweites „Herzrasen“, das ich damals nicht als Panikattacke einstufen konnte, traute ich mir jetzt immer weniger zu. Ich verließ das Haus nur zur Schule und ließ mich von meinen Eltern hinbringen. So einigermaßen brachten ich die Schulstunden hinter mich. Spätestens am Nachmittag saß ich völlig verängstigt zu Hause. Dann bekam ich meine erste Panikattacke zu Hause, im Bett, mitten in der Nacht aus dem Traum heraus. Ich war völlig durch den Wind, hatte Todesangst und rief den Krankenwagen. So verbrachte ich ein paar Stunden in der Notfallambulanz mit Puls 170. Die Situation eskalierte immer weiter. Die Ärzte versicherten, dass ich ein gesundes Herz hätte und auch der Termin beim Kardiologen erbrachte keinen Befund. Innerhalb von etwa 5 Wochen hatte ich mich so in die Herzneurose hineingesteigert, dass ich auch nicht mehr zur Schule gehen konnte. Die ersten Termine mit Psychologen und Psychotherapeuten fanden statt. Aber die paar Gespräche, meistens Psychoanalysen, mit Gesprächen über die Eltern-Kind-Beziehung brachten mich nicht wirklich weiter. Erst ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik stoppte den Kreislauf nach unten. Danach war ich noch lange nicht geheilt, aber zumindest so stabil, dass ich wieder in die Schule konnte.

Bei mir gab es also einen ganz engen Zusammenhang zwischen den Gedanken an eine mögliche Herzerkrankung und den Panikattacken. Denn ich fütterte meine Gehirn mit immer neuen Krankheitssorgen bis es dann zum Ausbruch, zur nächsten Panikattacke kam. Während der Panikattacken selbst war ich allerdings nie in der Lage, die Panikattacke als Panikattacke anzusehen. Ich dachte immer: „Diesmal ist es etwas mit meinem Herzen“.“

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Comments (14)

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  1. Super Text. Kenn es nur zu gut – auch klar warum ich um diese Zeit auf diese Seite gestoßen bin ; hatte wieder mal eine Attacke. Ich will endlich wieder etwas dagegen tun. Aber in erster Linie würde ich gerne mit Betroffene in Kontakt treten. Leider kenne ich niemanden der das fühlt was ich (wir) fühlen. Eventuell hat ja auch jemand Facebook. Michael Grassler (kernöl-ink). Iiebe Grüße, Michael

    • admin sagt:

      Vielen Dank für Dein Feedback. Wir hoffen, dass wir mit der Zeit hier und bei Facebook ein möglichst grosses Forum für Betroffene aufbauen können. Was die Herzneurose angeht: man muß immer wieder dranbleiben, neue Gewohnheiten zu bilden und sie zu wiederholen, um die alten Rituale (alle diejenigen, die Symptome der Herzneurose auslösen), zu überblenden.

  2. Petra Havran sagt:

    Ganz tolle Beschreibung, die auch zum großen Teil auf mich zutrifft. Bei mir waren am Anfang die Panikattacken, dann haben sich diese in Hintergrund gestellt und plötzlich hatte ich Herzneurose mit heftigen Symptomen. Hatte ebenfalls wie Michael vor kurzem wieder eine starke Herzneurose- und Panikattacke. Bin froh, dass ich nicht allein bin. Ich bin auch im Facebook vertreten und würde mich freuen, Kontakt mit Betroffenen zu bekommen. Macht weiter so mit Eurer Seite, sie ist Gold wert!!! Ganz liebe Grüße Petra

    • admin sagt:

      Danke für das tolle Feedback. Es freut uns, dass Dir die Seite gefällt. Wir werden sie weiter aufbauen und freuen uns über Eure Anregungen und Wünsche. Viele Grüße vom Herzneurose.info Team.

  3. Freue mich über jegliche Konversation bzgl. dieser doofen Ängste

  4. Marcel Seidler sagt:

    Hallo, ich leide auch unter Herzneurose. Ich habe eine ähnliche Geschichte erlebt. Möchte gerne einmal die Symptome vergleichen. Unangenehmes Druck Gefühl in der Herz Gegend. Muskelzucken, Panikattacken, ständiges Puls prüfen, Todesangst, schwindel, Schlafentzug da man nicht einschlafen möchte sprich angst davor hat, neben der Spur stehen. Immer fixiert aufs Herz.

    • Hallo Marcel,verstehe dich gut.Habe auch Angst einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen.Kontrolliere auch meinen Blutdruck und Puls ständig.Habe Blutdruckschwankungen,und mein Blutdruck ist unter Angst erhöht.Nehme Betablocker gegen zu hohen Puls.Am schlimmsten ist die Angst vor der Angst.Kennst du das auch?Wie hilfst du dir selbst?

  5. Marcel Seidler sagt:

    Hey Beate, kenne das mit dem Blutdruck lag deswegen im Krankenhaus es ist ein Teufels Kreislauf. Habe mich da sehr stark reingesteigert. Allerdings nehme keine Betablocker sondern ein homöopathisches Medikament Lasea welches eine Beruhigende Wirkung hat, kann ich dir nur empfehlen. Ist frei verkäuflich. Ja die Angst vor der Angst ist wirklich schlimm. Wie ich mir selber helfe, da ich weis das es ein Psychisches Problem ist habe ich mich in Psychologische Behandlung begeben, Gehe jetzt seit 3 Wochen einmal die Woche für eine Stunde zum Psychologen. Dort werden dir Übungen gezeigt, wie du damit umgehen kannst. Z.B. Muskelrelaxation, um deine Aufmerksamkeit in andere Körperteile zu lenken. Aufrechte Sitzhaltung Arme anspannen einatmen kräftiger anspannen und Luft anhalten, kurz halten und Ausatmen und locker lassen nun versuche die Entspannung zu spüren. Das kannst du einmal durch den Ganzen Körper machen, Gesicht Arme Beine Brust Bauch Po usw. Das habe ich dort bisher gelernt.

    Etwas was ich dir von mir mitgeben kann, ist ich habe bemerkt das ich viel zu Flach einatme und mich immer Kraftlos fühle durch die Ständige Panik. Sauerstoff ist der Treibstoff für den Körper. Versuche mal Tief einzuatmen mehrmals, wichtig ist allerdings das du es ruhig machst und nicht schnell, geh eine Runde raus Frische Luft schnappen. Gegen das Muskelzucken Magnesium einnehmen.

    Ablenkung ist auch eine tolle Sache. Bin etwas Depressiv von der Panik geworden, ich versuche mein Dopamin Haushalt zu verbessern. Dopamin ist ein Glückshormon welches durch Erfolgs Erlebnisse frei geschaltet wird. Sprich ich habe mir ein neues Hobby zu gelegt und zwar lerne ich nun Gitarre spielen. Das hat 2 Vorteile, einmal Ablenkung und anderer Seits, Erlebe ich so Erfolgserlebnisse und viele Kleine Fortschritte. Kann ich dir nur ans Herz legen.

    Mit Leuten sprechen die das selbe Problem haben ist für mich auch ganz wichtig.

    Wir beide schaffen das aus diesem Teufels Kreislauf.

    Hoffe ich konnte dir vorerst weiterhelfen. Mir hast du geholfen weil ich nochmals merkte das ich nicht alleine da stehe.

    • Nicole Herold sagt:

      Hallo Marcel !

      So geht es mir auch gerade ! Es ist echt unglaublich was die Psyche mit einem anstellen kann! Was hast du denn jetzt vor ? Was willst du dagegen tun ?

  6. admin sagt:

    Zu Ihrer Information: Wir haben ab heute auch einen Forum-Bereich auf der Seite, wo Sie dieses oder auch andere Themen diskutieren können. Den Link zum Forum finden Sie ab sofort im Menü. Das erste Thema, das sich an diesen Blogbeitrag anlehnt, haben wir schon angelegt: http://www.herzneurose.info/forums/topic/herzneurose-und-panikattacken-gehoeren-haeufig-zusammen/

    Viele Grüße vom Herzneurose.info Team

  7. Daniela sagt:

    Hallo,

    Ich habe schon länger einen Herzneurose. Hat bei mir auch mit Extrasystolen angegangen. Diese habe ich letztes Jahr mit Katheter veröden lassen, in der Hoffnung auf ein angstfeies leben. Leider ist die Angst noch schlimmer geworden. Ich kann meinem Herzen einfach nicht trauen. Mache eine Therapie, die mir jedoch nicht viel bringt. Lg an alle denen es genauso geht.

  8. Daniela sagt:

    Wie kann man sich denn registrieren bzw. Anmelden, um im Forum zu posten?

    Danke für eure Hilfe

  9. Hedi sagt:

    Das würde mich auch interessieren, wie man sich registrieren kann. Ich habe selbst mit intensiver Suche keine Möglichkeit gefunden. Wäre vll. sinnvoll das etwas mehr herauszuheben.

    Danke

  10. Mark Bernhardt sagt:

    Hallo leute ich hab das auch finde mich in vielen eurer texte wieder. Bei mir fing alles 6 wochen nach dem infarkt meines dads an. Ich hatte gerade angefangen mein leben umzustellen, mehr bewegung wieder gesünder essen usw. Auf einmal mitten in der nacht herzrasen, panik weiss nedmal warum hab an nix gedacht. 3 kardilogische untersuchungen x ruhe ekgs und bluttests später ohne befund natürlich, bekam ich nun die überweisung zum psychotherapeuten. Hoffe es wird dann besser

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